Danzig in der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in Gesprächen von Mikołaj Volkmar

Edmund Kizik

Danzig in der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in Gesprächen von Mikołaj Volkmar
[Text im polnische Sprache]
Wenn ich mit hochgerissenem Kopf das Monumentalgemälde Allegorie von Danzig an der Decke des Roten Saals des Großen Rathauses betrachte, komme ich nicht aus dem Staunen über die Anzahl der Personen und Details, die von dem Maler minutiös wiedergegeben wurden. Wilhelm van den Block zeigte 1608 vor dem Hintergrund von Artus Court die Kaufleute, die verschiedene Arten von Ankündigungen lesen, wahrscheinlich Ankündigungen über die Preise von Getreide und Holz. Ein polnischer Adliger in einem roten Delia und mit rasiertem Kopf macht einen Deal mit einem deutsch bekleideten Städter. Auf der linken Seite führen verspielte, wahrscheinlich polnische, Spieler mit Dudelsack und Guslen eine Prozession von Flößern an und auf der linken Seite sehen wir eine Gruppe von Stadtfrauen, gekleidet im Danziger Stil – Matronen und Mädchen mit charakteristischer Spitze auf dem Kopf. Ein bisschen fremde Frivolität ist in die Welt voller bürgerlicher Ernsthaftigkeit eingeführt worden – einer der Flößer hockt am Weichselufer, um seine Notdurft zu verrichten, andere kochen über dem Lagerfeuer, einige wenige schlafen. Währenddessen bringt der Fluss in die Stadt Kisten, die bis zum Rand mit polnischem Getreide gefüllt sind, das über Händler von Danzig weiter in die Welt segeln wird, auf Schiffen unter der Flagge von Danzig, den Niederlanden und England.

Allegory_of_Gdańsk_trade, Isaak van den block, 1608

Allegory_of_Gdańsk_trade, Isaak van den block, 1608

Doch die Welt des Alltags, selbst am besten mit Pinsel, Kohle oder Feder gemalt, bleibt eine stumme Botschaft. Wir hören weder die türkisfarbenen Karren, die auf dem Kopfsteinpflaster klackern, noch das geschäftige Treiben auf der Straße oder die lebhaften Gespräche, die in den Straßen von Danzig und zu Hause stattfinden. Es gibt nicht viel, was ein Historiker dagegen tun kann und abgesehen vom Zugang zu Musik und Gesangsnoten muss er die Grenzen der Erkenntnis akzeptieren. Vielleicht wird der Einsatz von Schuldialogen jedoch durch den Mangel an anderen, besseren Quellen belohnt. Ich denke dabei an den zweisprachigen Sprachführer von Nikolaus (Nikolai) Volckmar, einen Polnisch Lehrer, der am Geisteswissenschaftlichen Gymnasium (Gymnasium illustrae) unterrichtet, einer Schule, die unter dem Namen Danziger Akademisches Gymnasium, gegründet 1558, in die Geschichte einging. Im Frühjahr und Sommer 1601 schrieb Volckmar ein Lehrbuch mit dem deutschen Titel Viertzig Dialogi und Nützliche Gespräche, Von Allerlei vorfallenden gemeinen Sachen, d.h. vierzig Dialoge und nützliche Gespräche über alle üblichen Dinge und reichte es zur Veröffentlichung ein. Die deutsch-polnischen zweisprachigen Gespräche sollten ihm bei seiner Lehrtätigkeit helfen – Volckmar wollte sich nicht damit herumschlagen, ständig die gleichen Notizen zu wiederholen.

Übrigens bot der Verkauf des Lehrbuchs die Gelegenheit, das Einkommen des Lehrers zu verbessern. Die von Volckmar niedergeschriebenen Dialoge sind trivial, es sind Alltagsgespräche, aber es fehlte ihnen nicht an Ironie, situativem Humor, Beschreibungen von Ekel, Angst oder Irritationsreflexen, Konflikten, die in Schelte, Drohungen und Schlägereien endeten. Die Protagonisten der Gespräche werden geschlagen, überfallen, ausgeraubt, sie fallen in Ohnmacht, leiden Hunger und Durst, werden krank, haben Tumore, Prellungen, Stroh und Läuse im Haar, mit einem Wort, sie sind Figuren aus Blut und Knochen. Volckmar hat viele der Dialoge mit Plots versehen und kleine Geschichten geschaffen, die von den Schülern gespielt werden können und die einen großen Sinn für das Theaterspiel und das außergewöhnliche Temperament ihres Autors offenbaren. Obwohl Volckmar meist die Gespräche von Kindern oder eher Jugendlichen imitiert, gibt es auch Dialoge zwischen Erwachsenen. Indem er Alltagssituationen nachahmte, schuf er Konversationen in Deutsch und Polnisch, um den Schüler auf ein angemessenes Verhalten in bestimmten Situationen vorzubereiten. Zum Beispiel begleitet der sechste Dialog das Aufwachen und Schlafengehen: „Wenn sie morgens aufstehen” und „Wenn sie abends schlafen gehen”.

Strona tytułowa "Viertzig Dialogi" Mikołaja Volckmara, 1693, polona.pl

Strona tytułowa „Viertzig Dialogi” Mikołaja Volckmara, 1693, polona.pl

Und die folgenden Gespräche sind Dialoge 7: „Wenn sie zur Schule gehen”, 9: „Wenn sie zur Kirche gehen”, 10: „Wie eine Gesandtschaft innehaben”, d.h. über die Bestellung eines Gottesdienstes, 11: „Wie eine Vielfalt von Dingen zu kaufen”, 12: „Wie Fleisch und Fisch zu kaufen und wiegen”, 13: „Über das Mittagessen oder Festmahl”, 14: „Gespräch nach dem Mittagessen”. Der Autor schrieb auch Gespräche über solche natürlichen gesellschaftlichen Gespräche auf, wie im Dialog 15: „Über das Wetter”, 16: „Über das Spielen”, 17: „Über eine Vielfalt von Kleidern”, 18: „Wie ein Gewand gemacht werden soll”, 19: „Über eine Vielfalt von Handwerkern”, 20: „Über Garn und Nähen”. Der Autor hat auch separate Dialoglektionen vorbereitet, z.B. „Über das Spielen”, „Über vielerlei Kleidung”, 19: „Über verschiedene Handwerker”, 20: „Über Garn und Nähen”. Er bereitete auch separate Dialoglektionen vor, z.B. 23: „Über die Wäsche”, 24: „Über den Holzkauf”, 25: „Über das Badehaus”, 26: „Über das Borgen und das Bitten um Geld”, 27: „Über die Herren und das Gesinde”, 28: „Über Komödien”, 29: „Über das Wandern und die Straßen”, 30: „Über Nachrichten, Krieg, das Teure, die Pestluft”, 31: „Über die Schurken, 32: „Wenn sie auf den Bauernhof gehen, verschiedene Gespräche über den Hof”, 33: „Über das Pflügen, Heuen und Ernten”, 34: „Wie Getreide auf Danzig ablassen”, 35: „Über Kaufleute und Segeln”, 36: „Über den Hausbau”, 37: „Über den Krieg”. Volckmar stellt Gespräche nach, die besonders freudige Momente begleiten: 21: „Über die Taufe” und 22: „Über die Hochzeit”. Aber er übersieht nicht das Leiden und die Traurigkeit: 38: „Über verschiedene Krankheiten”, 39: „Über das Sterben”, wobei am Ende des Lehrbuchs konsequent ein Dialog 40 „Über die Beerdigung” steht. So war es ganz natürlich, dass der damalige Lehrer und Prediger das Ende des menschlichen Lebens skizzierte.

Es muss jedoch betont werden, dass wir es hier nicht mit der deutschen und polnischen Sprache zu tun haben, die in Danzig täglich gesprochen wurde. Die Gesprächspartner stammen aus den bürgerlich-plebejischen Schichten, aber Volckmar hat uns keine der volkstümlichen Varianten des niederdeutschen Dialekts genannt, die damals auf den Danziger Straßen verwendet wurden. Es handelt sich auch nicht um eine regionale Variante von Polnisch oder Kaschubisch, die in der Stadt gesprochen wurde. Im Gegenteil, sowohl Deutsch als auch Polnisch sind in diesen Gesprächen Formen einer nationalen Literatursprache, die bereits für immer geprägt worden sind.

Wir wissen wenig über das Leben des Autors. Nach dem Vorwort des Herausgebers des Erstdrucks des Sprachführer ist bekannt, dass er in der mitteldeutschen Kleinstadt Hersfeld (Hessen) geboren wurde. Wir kennen weder sein Geburtsdatum (vielleicht um 1568?), noch wissen wir, was er tat, bevor er nach Danzig kam und wo er Polnisch lernte. Vielleicht kam er als Junge in die Republik Polen, der einem adeligen Sohn diente, der aus Großpolen kam und in Deutschland oder in der Nähe von Danzig studierte. Es war üblich, deutsche Gleichaltrige in den polnischen Dienst aufzunehmen, die sich mit dem polnischen Junggesellen unterhalten sollten. Es ist anzunehmen, dass Volckmar mit zweisprachigen deutsch-polnischen religiösen Dissidentenkreisen in Kontakt kam. Es gibt jedoch zu viel ungewisses. Von den gewissen Dingen ist bekannt, dass sich unser „Volckmarus” im Oktober 1589 gewiss in die Liste der Schüler des Akademischen Gymnasiums Danzig eingetrug. Bereits 1594 war Volckmar Lateinlehrer in den unteren Klassen und holte sein Gehalt durch Privatunterricht in Polnisch auf. Nachdem er seine berufliche Position stabilisiert hatte, gründete er eine Familie (wahrscheinlich um 1595), aber er hatte Schwierigkeiten über die Runden zu kommen. Am 1. Februar 1599 bat er den Danziger Stadtrat um Hilfe für sich selbst, seine schwangere Frau und seine Kinder. Er war damals Vater von zwei Töchtern: Elżbieta (1596) und Greta (1597). Die dritte Anna Maria wurde 1599 geboren und die vierte Sara wurde 1601 geboren. Im August 1599 erhielt Volckmar die Stelle eines Predigers in der St. Anna-Kirche. Doch schon bald sollte er ein besseres Leben genießen. Er erlebte den Druck des Buches nicht mehr und starb am 10. November 1601 als eines von 16919 Pestopfern. Er wurde am nächsten Tag beerdigt. Deshalb erschien die erste Ausgabe seines Lehrbuchs erst 1612, und zwar nicht in Danzig, sondern in Thorn (Torun) und wurde zum Bestseller der Epoche. Mehr als zwanzig Neuausgaben wurden unter leicht veränderten Titeln veröffentlicht. In Danzig wurde der Sprachführer dreizehn Mal veröffentlicht, in Eching (Elbląg) viermal, zweimal in Breslau (Wrocław) und Thorn (Torun) und einmal in Krolewez (Królewiec). Zum letzten Mal wurden sie 1758 zusammen mit den lateinischen Dialogen in Danzig veröffentlicht.

Volckmars fiktive Dialoge finden im Danzig der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert statt, einer Stadt, die eine äußerst dynamische Entwicklung durchläuft, wahrscheinlich eine der besten in ihrer über tausendjährigen Geschichte. Danzig, das wir in den Gesprächen an den Namen der Stadtteile erkennen, war damals die größte Stadt im Ostseeraum. Anfang des 17 Jahrhunderts wird die Zahl der Einwohner auf 52.400 geschätzt, in den Jahren 1601-1605 auf 52 400 und auf 61.200 am Vorabend des Ausbruchs des Krieges mit Schweden in den Jahren 1626-1629 geschätzt. Hinzu kommen die mehreren tausend Bauern, die in den Dörfern lebten, die Danzig dank der Schenkung des Königs Kazimierz Jagiellończyk erhielt, darunter ein Teil des Weichsel Deltas, Scharpau, die Weichsel Nehrung und das Gebiet des Hochlandes. Viele wohlhabende Städter hatten dort kleine Bauernhöfe, die das Rückgrat der städtischen Küche bildeten, während sie im Sommer die Gelegenheit boten, sich von der Hektik der Danziger Straße auszuruhen (Dialoge 32, 33, 34). Die Fischerstadt Hel gehörte zusammen mit einem Teil der Halbinsel ebenfalls zu Danzig. Es wurde, wie andere Städte des königlichen Preußens – Thorn (Toruń), Elbing (Elbląg), aber auch Dirschau (Tczew), Graudenz (Grudziądz), Culm (Chełmno) oder Schwetz (Świecie) – von Menschen deutscher Herkunft bewohnt. Der Zustrom bedeutender Gruppen niederländischer, schottischer und anderer Nationalitäten in die Stadt sowie die Präsenz von Polen und Kaschuben veränderten das Gesicht dieser Städte in geringem Maße. Einwanderergemeinschaften wurden relativ schnell assimiliert. Aus rein praktischen Gründen und auf der Suche nach Kontakt mit polnischen Kunden wurden die Einwohner von Danzig jedoch häufig in Polnisch unterrichtet und waren meist zweisprachig.

Die Gesellschaft in Danzig war nicht nur in finanzieller, sondern auch in rechtlicher Hinsicht stark diversifiziert. Das Recht, am politischen Leben teilzunehmen und volle wirtschaftliche Freiheiten zu genießen (z.B. einer Zunft beizutreten, Handwerk oder Handel zu betreiben, Waren einzuführen usw.) auf dem Territorium von Danzig und seinen Besitztümern hatten nur Männer, d.h. Bürger, die zum kommunalen Recht zugelassen waren. Mitglieder christlicher Konfessionen, die als sektiererisch galten, wie Mennoniten, Arier oder Täufer, wurden nicht zur Staatsbürgerschaft zugelassen. Die Juden konnten nicht nur das Stadtrecht nicht erhalten, sondern sogar ihr vorübergehender Aufenthalt in der Stadt basierte auf speziellen Aufenthaltsgenehmigungen.

Danzig verdankte seinen Reichtum dem Monopol auf die Vermittlung des polnischen Handels mit Getreide und Forstprodukten. Der Handel mit Schüttgütern (Rohstoffe oder land- und forstwirtschaftliche Halbfertigprodukte) fand an der Weichsel statt, die im unteren Abschnitt (vom Danziger Oberlauf bis zur Mündung des Danziger Golfs) unter der Kontrolle der Danziger Einwohner stand (siehe Dialoge 34-35). Die Ausfuhr von Getreide aus dem Hafen von Danzig Ende des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erreichte 1583 62781 Wispel, 1608 87378 Wispel und 1619 102981 Wispel (1 Wispel = ca. 2200 kg). Die Rekordexporte in den Jahren 1618 und 1619 standen im Zusammenhang mit Spekulationen über den Anstieg der Lebensmittelpreise infolge des Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648).

Ilustracja do gdańskich rozmówek Mikołaja Volckmara z 1612 roku; aut. Maria Turek

Ilustracja do gdańskich rozmówek Mikołaja Volckmara z 1612 roku; aut. Maria Apoleika

Innerhalb der Grenzen der Stadt und der Dörfer von Danzig hatte das örtliche Recht Vorrang vor dem Recht der Republik. Auch die Privilegien des polnischen Adels galten nicht im Bereich der kommunalen Gerichtsbarkeit. Die Stadt gehörte, zusammen mit dem gesamten Königlichen Preußen, zum Kreis der Rechtskultur Culm (Chełmno). Detaillierte Vorschriften zur Anpassung des ius culmense an die örtlichen Gegebenheiten von Danzig wurden vom Stadtrat in gesonderten Edikten und Ausführungsbestimmungen bzw. allgemeinen Rechtssammlungen, d.h. Willkür, erlassen, in denen die Regeln der Justiz und in begrenztem Umfang auch das Straf- und Zivilrecht, die Regeln des Gerichtsverfahrens und vor allem die Verwaltungs- und Ordnungsvorschriften festgelegt wurden, die u.a. die bürgerlichen Pflichten, das Bau-, Wirtschafts- und Handelsrecht regeln (siehe Dialoge 26, 31, 36). In der fraglichen Zeit war eine neu erlassene Willkür aus dem Jahr 1597 in Kraft, der nach und nach in detaillierten Vorschriften modifiziert und erst Mitte des 18. Jahrhunderts kodifiziert wurde.

Die exekutive, legislative und gerichtliche Macht in Danzig wurde von Personen ausgeübt, die vom Rat und vom Haupt- und Altstadtrat gewählt wurden. Die eigentliche Macht in ihren Händen hielten jedoch die Ratsherren der Hauptstadt (die erste Ordnung), die aus ihrer Gruppe von achtzehn Personen vier Bürgermeister ernannten, die jährliche Ämter bekleideten. Während dieser Zeit wurden die wichtigsten Positionen in der Stadt mit Mitgliedern von 62 Familien besetzt und die Beteiligung an den Behörden gewährleistete ein angemessenes Einkommen. Die Entscheidungen der Ratsmitglieder wurden mit der Vertretung der Justizbehörden, d.h. der Haupt- und der Altstadtvertretung, die jeweils aus 12 Personen bestand, beraten. Wahrscheinlich hatten auch die Vertreter des einfachen Volkes – die übrigen Bürger – Einfluss auf die Behörden. Zunächst einmal gruppierten sich die Händler in vier Viertel – die Bezirke der Hauptstadt (Szeroka, Rybacki, Wysokie und Kogi), d.h. die so genannte dritte Ordnung. Dieses 1526 nach den Gesetzen von König Sigismund I. gegründete Vertretungsorgan hatte 100 Mitglieder, darunter acht ältere der wichtigsten städtischen Zünfte (Schmiede, Bäcker, Metzger und Schuhmacher). Die Stadträte und Zentrumsleiter gehörten zu den Abgeordnetenkommissionen, die bestimmte Bereiche der Stadt überwachten. Aufgrund des Wahlmodus für die Zentumviren – Mitglieder der dritten Ordnung, die von den Räten auf Lebenszeit ernannt wurden – war die Rolle dieses Gremiums jedoch zunächst illusorisch und streng von den anderen Ordnungen (den Räten und Vertretern) abhängig.

aut. Maria Apoleika

Seit 1557 war Danzig eine protestantische Stadt, in der Katholiken eine tolerierte religiöse Minderheit waren. Ende des 16. Jahrhunderts kam es zu einem scharfen Konflikt innerhalb des protestantischen Lagers und zu einer Spaltung in Calvinisten, die von Patriziern und lutherischen Plebejern unterstützt wurden. Durch Erlasse des Königs Sigismund III. (1612, 1616) wurde den Calvinisten nach und nach das Recht auf einen Sitz in den höchsten Behörden entzogen, der Lutheranern und Katholiken vorbehalten war. Tatsächlich aber war der Kreis der Privilegierten auf die lutherischen Familien beschränkt. Die Katholiken bewahrten einige Klöster (Dominikaner-, Brigiden- und Karmeliterkloster) und das Presbyterium der Marienkirche, der Rest der Kirchen gehörte den Lutheranern. In der ehemaligen Franziskanerkirche, die von der Stadt übernommen wurde, gab es ab 1558 ein protestantisches Gymnasium.

Der Gemeinderat verwaltete die kirchlichen Angelegenheiten und mischte sich tief in das Alltagsleben der Einwohner ein, indem er die erlaubte Kleidung und Schmuck der Mitglieder der sozialen Schichten, Formen des Festkonsums (Hochzeit, Patenschaft und Beerdigung) regelte; die Teilnahme an Gottesdiensten und das Verhalten an Festtagen wurden kontrolliert. Verstöße gegen die Verhaltensnormen wurden von Amts wegen strafrechtlich verfolgt und mit aller Strenge des Gesetzes bestraft. Eine ebenso strenge Zensurkontrolle wurde über die Freiheit der öffentlichen Meinungsäußerung, den Druck von Satiren und Polemiken mit politischem oder religiösem Inhalt ausgeübt. Die religiöse Integrität wurde vom Ministerium für den Klerus überwacht, das vom Stadtrat kontrolliert wurde und in dem lutherische Geistliche zusammenkamen. An der Spitze stand der Hauptpastor der Stadt, der Pastor der Pfarrkirche St. Marien. Das Gesetz verpflichtete die Bürger der Stadt, diejenigen anzuprangern, die Klatsch und Tratsch verbreiteten und den Stadtrat in einem ungünstigen Licht darstellten. Abgesehen von den Zuständigkeiten des Gemeinderats gab es Eheangelegenheiten (einschließlich Scheidungsfälle), die der katholischen Gerichtsbarkeit unterlagen, vertreten durch den offiziellen Bischof von Leslau (Włocławek) mit Wohnsitz in der Stadt.

Natürlich geben uns Volckmars Gespräche keine Antworten auf all die Fragen zum Danziger Alltag vor 400 Jahren. Das war nicht das Ziel ihres Schöpfers. Doch wenn wir sie lesen, kommen wir den Altstädtern als gewöhnliche und durchschnittliche Menschen mit all ihren banalen Freuden und Leiden näher. Es lohnt sich daher, ihren Inhalt als eine Einführung in das Wissen des alten, unbeschreiblichen Danzig zu betrachten.

 

Bibliographische Anmerkung

Diese Skizze basiert auf meiner Einführung in die kritische Ausgabe des Sprachführer: Nicolaus Volckmars „Viertzig Dialoge”. (1612). Quelle für Recherchen zum Alltagsleben im alten Gdańsk, E. Kizik, Gdańsk 2005, S. VII-LXXII. Die Bedeutung von Volckmars Arbeit für die Erforschung des Alltagslebens und der gesprochenen Sprache im damaligen Danzig ist jedoch von Historikern und Sprachwissenschaftlern längst anerkannt. Einige Forscher haben bereits ausgewählte Auszüge aus den Interviews veröffentlicht. Interessierte Leser werden auf einige Werke verwiesen, die es ihnen ermöglichen, ihre Kenntnisse über Volckmar selbst, diesen deutschen Liebhaber der polnischen Sprache, sowie über andere Schöpfer deutsch-polnischer Sprachlehrbücher zu vertiefen. Zusätzlich weise ich auf einige Punkte hin, die die Kultur des Alltagslebens im modernen Gdańsk und die multiethnischen Gebiete der Stadt beschreiben.

 

Quelleneditionen:

Nicolausa Volckmara „Viertzig Dialogi” (1612). Źródło do badań nad życiem codziennym w dawnym Gdańsku, wyd. E. Kizik, Gdańsk 2005.

Gdy na folwark jadą albo wyborny zbiorek rozmówek Mikołaja Volckmara, oprac. M. Babnis, Gdańsk 1999.

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Biographische Anmerkung:

Edmund Kizik (1960), Prof. Dr. Hab., Gdańsk-geborener Historiker, assoziiert mit der Universität Gdańsk und dem Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Forscher der modernen Hansestädte und des Alltagslebens im deutsch-polnischen Kulturgrenzland. Autor zahlreicher Werke auf diesem Gebiet, Herausgeber von Quellen. Zu den wichtigsten gehören die Ausgaben von Nicolaus Volckmar Viertzig Dialogi (2005), Sowiaźrzała krotochwilnego i śmiesznego (2005, Co-Autor) und Chroniken der Marienkirche in Gdańsk aus dem Jahr 1616 (2013, Co-Autor).

Text übersetzt im Rahmen des Projekts „Gdańska Gadka”.
Projekt kofinanziert von der Stiftung für polnisch-deutsche Zusammenarbeit.


Wir möchten Sie daran erinnern, dass das Stadtkulturinstitut eine Auswahl von Volckmars Sprachbüchern mit Illustrationen von Maria Apoleika „Danzig im 17. Jahrhundert zum Ausmalen” veröffentlicht hat – Veröffentlichung verfügbar unter: sklepikm.pl

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